Der Europäische Aal: Steckbrief und faszinierende Biologie
Der Europäische Aal (Anguilla anguilla) ist einer der rätselhaftesten und faszinierendsten Bewohner unserer Gewässer. Er zeichnet sich durch einen schlangenförmigen, langgestreckten Körper, eine extrem glatte, von einer dicken Schleimschicht überzogene Haut sowie eine zusammenhängende Flossenfläming aus Rücken-, Schwanz- und Afterflosse aus. Als katadrome Fischart verbringt der Aal sein Erwachsenenleben im Süßwasser von Flüssen und Seen, bevor er zu einer tausende Kilometer langen Reise in den Ozean aufbricht. Während durchschnittliche Exemplare 0,5 bis 2 kg wiegen, können große Milchner und Rogner eine Länge von bis zu 1,5 Metern und ein Gewicht von über 6 kg erreichen.
Ernährungsweise und Geruchssinn des Nachträubers
Der Aal führt eine äußerst verborgene, nachtaktive Lebensweise. Sein Speiseplan ist außerordentlich vielseitig und umfasst Kleinfische, Tauwurmbündel, Flusskrebse, Muscheln, Schnecken, Insektenlarven und Fischlaich. Ausgestattet mit einem phänomenalen Geruchssinn, der den der meisten anderen Süßwasserfische um ein Vielfaches übertrifft, spürt der Aal seine Beute mithilfe seiner rohrförmigen Nasenöffnungen selbst in absoluter Finsternis oder in dichtem Schlamm mühelos auf.
Temperaturpräferenzen, Nachtaktivität und die Reise in die Sargassosee
Aale sind ausgesprochen wärmeliebende Fische, die bei Wassertemperaturen zwischen 10–22 °C ihre höchste Fressaktivität entwickeln.
- Nachtfresser: Die Nahrungsaufnahme findet fast ausschließlich nach Einbruch der Dunkelheit statt. Warme, schwüle Sommernächte sowie die Stunden vor heranziehenden Gewittern (wenn der Barometerdruck fällt) bieten die besten Chancen auf Sternstunden am Gewässer.
- Wanderung über Land: In feuchten, taufrischen Nächten kann der Aal kurze Strecken über nasses Gras an Land kriechend zurücklegen, um zwischen isolierten Teichen, Altwässern oder Gräben zu wechseln.
- Die einmalige Laichwanderung: Werden die Aale geschlechtsreif (Blank- oder Silberaale), stellen sie die Nahrungsaufnahme ein, verfärben sich silbrig und treten eine Reise ohne Wiederkehr durch den Atlantik in die Sargassosee an, wo sie nach dem Laichen sterben.
Verborgene Unterstände und Standplätze
Aale meiden das Tageslicht konsequent und verbringen die helle Tageszeit tief in schützenden Verstecken. Bevorzugte Standplätze sind schlammige Buchten, dichte Seerosenfelder, versunkenes Totholz, unterspülte Uferhöhlen und Steinpackungen. Häufig gräbt sich der Aal auch vollständig in den weichen Schlamm ein, sodass nur noch das Maul herausragt.
Erprobte Köder und Grundmontagen
Das Zielangeln auf Aale erfordert robustes Gerät und durchdachte Montagen, da der Aal nach dem Anbiss sofort versucht, Hindernisse oder Holzstrukturen anzusteuern:
- Erfolgreiche Köder: Mächtige Tauwurmbündel oder Rotwürmer, kleine Köderfische (Gründlinge, Ukeleien), Fischfetzen (Schwanzstücke) und ausgelöste Krebsschwänze.
- Hauptmethode: Schweres Grundangeln (Feeder-Rute oder klassische Grundmontage mit Laufblei). Montagen mit Freilaufrolle oder geöffnetem Bügel sind ideal, da der Aal bei spürbarem Widerstand den Köder vor dem Verschlingen oft wieder ausspuckt.
Drill und Landung von Trophäen-Aalen
Der Drill eines großen Aals ist ein kompromissloser Kraftakt, der besondere Kniffe bei der Landung erfordert:
- Sommernächte nutzen: Befischen Sie in den Monaten Juli und August flache, schlammige Buchten, Schilfkanten oder Bereiche nahe überhängender Bäume.
- Sofortiger Druck im Drill: Setzen Sie nach dem Anhieb sofort maximalen Druck auf, um den Aal vom Gewässergrund und von Hindernissen fernzuhalten. Aale schwimmen instinktiv rückwärts und schlingen ihren Schwanz um jeden erreichbaren Ast oder Wurzelballen.
- Sicherer Umgang mit dem Fang: Stellen Sie sich auf einen extrem starken, windungsreichen Fisch ein, der von einer glitschigen Schleimschicht überzogen ist. Vermeiden Sie feinmaschige Kescher, da der Aal das Netz innerhalb von Sekunden zu einem unlösbaren Knotenknäuel aufwickelt. Verwenden Sie ein feuchtes Baumwolltuch oder einen speziellen Aalgreifer, um den Fisch direkt hinter dem Kopf sicher zu fixieren.